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Als Bergisch Gladbach in Taiwan Weltmeister wurde

Als Bergisch Gladbach in Taiwan Weltmeister wurde

Einmal Bergisch Gladbach - Taiwan und zurück: Wie ein Vereinsteam Weltmeister wurde und den Widerstand des DFB gegen eine Frauen-Nationalmannschaft brach.


Es war eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse. Drachentänze, Folklore und frenetische Fans schon bei der Eröffnungsfeier - Anne Trabant-Haarbach gerät bei der Erinnerung an die inoffizielle Frauen-WM 1981 im fernen Taiwan heute noch ins Schwärmen: "Das sind Eindrücke, die bleiben."

Dass die damalige Spielertrainerin mit den Fußballerinnen der SSG 09 Bergisch Gladbach allen Widrigkeiten zum Trotz als Vereinsteam dieses Turnier gewann, ist für sie vor allem eine große "Bestätigung für alle Spielerinnen und Beteiligten". Denn der nächste Triumph sollte wenig später in der Heimat folgen.

"Für mich persönlich war es viel wichtiger, dass der DFB nach unserem Erfolg in Taipeh endlich eine Frauen-Nationalmannschaft aufbaute", erinnert sich die heute 71-Jährige im Gespräch mit dem SID. Für diesen überfälligen Schritt musste Trabant-Haarbach gemeinsam mit ihren Mitspielerinnen nicht nur auf dem Platz im tropischen Taiwan, sondern vor allem in den Büros des Deutschen Fußball-Bundes enorme Überzeugungsarbeit leisten.



"Der DFB hat den Frauenfußball blockiert"

Trotz der Aufhebung des 15 Jahre währenden Verbots am 31. Oktober 1970 habe "der DFB alles versucht, um den Frauenfußball zu blockieren und auslaufen zu lassen", erklärt Trabant-Haarbach 39 Jahre nach dem unverhofften Titelgewinn beim Women's World Invitation Tournament: "Da wir keine Nationalmannschaft hatten, wurde das Einladungsschreiben aus Taiwan vom Verband an uns weitergeleitet." Die SSG Bergisch Gladbach, damals Dominator des deutschen Frauenfußballs, sollte die BRD in Ostasien vertreten.

Doch mehr als beste Wünsche kamen vom DFB nicht für die erste Teilnahme an einem internationalen Frauenturnier der deutschen Fußballgeschichte. "Wir mussten das alleine stemmen", sagt Trabant-Haarbach. Also wurde Geld zusammengekratzt.

"Die Spielerinnen verkauften selbstgebackene Waffeln auf dem Wochenmarkt und gaben Autogrammstunden." Zusammen mit der Unterstützung von lokalen Sponsoren und der Stadt Bergisch Gladbach gelang es den Pionierinnen, das tollkühne Vorhaben in die Tat umzusetzen.



Zum ersten Mal im Flugzeug

Viele der Frauen hätten zuvor noch nie in einem Flugzeug gesessen, erzählt Trabant-Haarbach. Nach der Ankunft warteten in der bis dahin unbekannten Welt auf die Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen ganz neue Herausforderungen. Die Eindrücke sind Trabant-Haarbach noch sehr präsent: "Dort herrschte eine unglaubliche Schwüle, wie in einer Sauna, Temperaturen zwischen 34 und 36 Grad."

Und dann noch neun Begegnungen innerhalb von elf Tagen. Dazwischen Sponsorentermine, ungewohntes Essen - eine körperliche Tortur. Auch der mitgereiste Physiotherapeut Ludwig Bonitz leistete Schwerstarbeit. "Ich weiß, dass viele von uns körperlich am Rande der Totalerschöpfung waren", sagt die damalige Torhüterin Hannelore Geilen rückblickend.

In der beeindruckenden Bilanz der deutschen Frauen (25 Tore, keine Niederlage) schlugen sich die Strapazen nicht nieder. Beeindruckend waren auch die zwölf Kilogramm schweren Siegtrophäen, die jede einzelne Siegerin erhielt. "Wir mussten Übergepäck anmelden, da gab es Probleme am Schalter", erinnert sich Petra Landers, die 1989 noch Europameisterin wurde.

Beflügelt von ihrem historischen Erfolg verstärkten die Frauen um Trabant-Haarbach ihr unnachgiebiges Drängen auf die Gründung einer "echten" Nationalmannschaft. Ein Jahr nach dem "Wunder von Taipeh" stand am 10. November 1982 in Koblenz erstmals eine deutsche Vertretung unter Gnaden des DFB auf dem Rasen, darunter acht Fußballerinnen von Bergisch Gladbach. Die Spielführerin: Anne Trabant-Haarbach.

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