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Unglücklich in München

Unglücklich in München

Andreas Herzog und Torsten Frings flüchteten nach nur einem Jahr, Trainer Otto Rehhagel wurde noch schneller gefeuert. Zahlreiche Stars ließen sich von Werder Bremen zu Bayern München transferieren. Glücklich wurde nur einer.


Nur ein Torhüter fehlt. Ansonsten ließe sich aus den ehemaligen Profis von Werder Bremen, die ihr Glück beim deutschen Rekordmeister Bayern München suchten und oft nicht fanden, eine prominente und auch komplette Mannschaft bilden. Trainiert von Erfolgscoach Otto Rehhagel, der nach 14 Jahren an der Weser 1995 zum Erzrivalen in den Süden wechselte und fortan bei den Werder-Fans als Verräter gebrandmarkt war.

Und auch in der damaligen grün-weißen Führungsetage war man mehr als nur verstimmt. "Wir haben seinerzeit vorher nichts gewusst, das war schon bitter. Unser Präsident Franz Böhmert war ahnungslos im Florida-Urlaub. Meines Erachtens war dieser Wechsel Rehhagels größter Fehler", sagte Ex-Manager Willi Lemke einmal rückblickend.



Wechselflut nach München

Dass "König Otto" seinen Lieblingsschüler Andreas Herzog gleich mit an die Isar nahm, schürte den Zorn am Osterdeich nur noch mehr. Aber fortan wurden derlei Nord-Süd-Transfers Gewohnheit. Schon ein Jahr später folgte Mario Basler, danach brachen Claudio Pizarro (2001), Miroslav Klose (2005), Tim Borowski (2008) und zuletzt Serge Gnabry (2017) ihre Zelte in der Hansestadt ab.

Des öfteren aber auch schnell wieder in München. "Noch ein Jahr Bayern, und ich wäre in der Nervenheilanstalt gelandet", sagte Herzog, mittlerweile Österreichs Rekord-Nationalspieler, über seine zwölf Monate bei den Bayern. Legendär und symptomatisch eine Spielszene, in der der Mittelfeldspieler nach einem Ballverlust von Torwart Oliver Kahn vor einem Millionenpublikum mit grimmigem Blick durchgeschüttelt wurde.



Nur einer wurde glücklich

Nicht einmal ein Jahr saß Rehhagel beim Rekordmeister auf der Trainerbank, auch Borowski und zuvor schon Torsten Frings blieben lediglich eine Saison beim "FC Hollywood". Genau dort lag beim langjährigen Nationalspieler das Problem: "Meine Mentalität hat nicht zu Bayern gepasst. Glanz und Glamour waren nicht meine Welt." 

Ganz anders bei Pizarro. Der Peruaner fühlte sich in den beiden so unterschiedlichen Klubs pudelwohl. Gleich viermal wechselte er hin und her und gehört mit fast 42 Jahren immer noch dem Werder-Kader an.

"Ich war immer einer, der sich sehr damit identifiziert hat, wo er war. Und ich bin sehr dankbar, dass man in Bremen und München so nett zu mir war. Das wollte ich zurückgeben", erklärte der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte unlängst.

Und deshalb wird der Südamerikaner nach der Sommerpause und dem Ende seiner Profikarriere als Klubrepräsentant zurück zum FC Bayern gehen. Dafür soll sein Abschiedsspiel aber im Bremer Weserstadion stattfinden. "Pizza" liebt eben beide Vereine.

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