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Wann kommt die Tour der Frauen?

Wann kommt die Tour der Frauen?

Die Tour de France ist ein Radsport-Fest - und derzeit nur den Männern vorbehalten. Der Ruf der Frauen nach einer eigenen Frankreich-Rundfahrt wird lauter. Die Hoffnungen sind groß - und könnten 2022 erfüllt werden. 


Als junges Mädchen sah Lisa Brennauer die Tour de France im TV und träumte von Etappensiegen und dem Gelben Trikot. "Ich dachte: Wow, da möchte ich gerne mal fahren. Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob das überhaupt geht", sagte Brennauer dem SID. 

Aus dem jungen Mädchen von einst ist eine der erfolgreichsten deutschen Radfahrerinnen geworden. Weltmeisterin auf der Straße, Vize-Weltmeisterin auf der Bahn - die 32-Jährige hat viel erreicht. Nur das mit der Tour de France, das hat noch immer nicht geklappt. Die Chance auf das Maillot jaune hat sie nie bekommen. Eine Tour de France der Frauen existiert nicht mehr. Doch warum? "Ich weiß es auch nicht", sagte Brennauer, "wir wären bereit dafür."

Der Giro Rosa, die Italien-Rundfahrt der Frauen, ist das derzeit wichtigste Etappenrennen. Es findet parallel zur Tour der Männer statt, in diesem Jahr fällt der Startschuss am kommenden Freitag, neun Etappen stehen an, die längste über 170 km. Brennauer ist für das Team Ceratizit-WNT dabei.



"Das wäre der nächste Schritt"

Doch das Rennen nimmt die breite Öffentlichkeit kaum wahr. Eine Frankreich-Rundfahrt, ins Programm des Männer-Rennens integriert, würde den Sport dagegen auf ein neues Level heben. Zuschauer, Medienpräsenz, Infrastruktur - bei der Tour ist alles vorhanden.

"Ich könnte mir vorstellen, dass es eine 14-tägige Tour wird, das wäre der nächste Schritt", sagte Brennauer: "Wir haben bei einigen Eintagesrennen den gleichen Zielort, aber einen anderen Startort als die Männer." Dies, glaubt sie, könnte sich über einen längeren Zeitraum bei der Frankreich-Rundfahrt umsetzen lassen: "Die Etappen müsste man nicht in voller Länge fahren."

Die deutsche Top-Fahrerin ist mit ihren Gedanken nicht allein. "Wir würden definitiv von einer Frauen-Tour profitieren. Daran gibt es keine Zweifel", sagte auch Elizabeth Deignan. Die britische Radrennfahrerin gewann am Tag des Tour-Auftakts im "Rahmenprogramm" der Männer-Rundfahrt in Nizza das Eintagesrennen "La Course", in einem spektakulären Sprint wohlgemerkt.


ASO behandelt Entwicklung stiefmütterlich

Das Rennen gibt es seit 2014 und wird vom mächtigen Tour-Veranstalter ASO organisiert. Bislang hat es eher den Charakter eines Appetitanregers für den Hauptgang.

Dabei hat sich der Frauen-Radsport in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Der Weltverband hat eine eigene WorldTour-Serie etabliert, die Teams sind zunehmend professionalisiert, es wird ein Mindestgehalt gezahlt, die Athletinnen genießen Sicherheiten wie eine Gehaltsfortzahlung im Falle einer Schwangerschaft.

Die ASO hat die positive Entwicklung lange stiefmütterlich behandelt - und will dies korrigieren. Der Ruf der Frauen wird offenbar gehört. Die ASO soll an einem Etappenrennen in Frankreich ab 2022 arbeiten. Dies deutete UCI-Präsident David Lappartient zuletzt an.

"Die ASO hat mir versichert, dass sie dazu bereit ist. Ob das Rennen dann den Namen 'Tour de France' tragen wird, ist aber noch unklar", sagte Lappartient: "Es ist für die Entwicklung des Frauen-Radsports ein großer Schritt nach vorne."

Eine Neuauflage der Frauen-Tour - es gab das Rennen zwischen 1984 und 2009 in verschiedenen Formaten - hätte nur Vorteile - für Veranstalter, Fahrerinnen und Fans, glaubt Brennauer. "Wir können tollen Radsport liefern, Radsport, den man anfassen kann, der Spaß macht und spannend ist", sagte sie, "das bei einer mehrtägigen Rundfahrt zeigen zu können, das wäre ein großer Traum."

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