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Sind Sie eine Legende, Horst Hrubesch?

Sind Sie eine Legende, Horst Hrubesch?

Horst Hrubesch kennt sich aus mit Legenden, streitet aber natürlich ab, selbst eine zu sein. Dafür feiert er den Erfinder des verzögerten Sprungwurfs, den deutschen Frauen-Fußball und das Leben an sich.


Horst Hrubesch, zu Ihrer Spielerzeit haben die Fans Sie verehrt. Sie sind eine Legende.

Die Fans haben mich wegen meiner Tore geliebt, aber ich glaube auch, dass ihnen meine kämpferische Natur imponiert hat. Ich habe jeden Tag versucht, besser zu werden, noch besser zu trainieren, auch mehr zu trainieren als andere. Das war meine Einstellung und ichglaube, das mochten die Leute. Aber wenn ich ehrlich bin: Ich sehe mich persönlich nicht als Legende. 

Sie vergaßen zu erwähnen, wie bescheiden Sie sind. Welche Spieler sind denn legendär?

Beim HSV hatte ich das große Glück, mit Kevin Keegan zusammenzuspielen. In Sachen Einstellung, Arbeitspensum, Charakter war er ganz klar ein Vorbild für mich. Keegan war legendär: Er war klein, sehr beweglich und hat unheimlich für die Mannschaft geschuftet. Er ist nicht umsonst als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden. Er war eine Legende hoch drei. Auch Gerd Müller war unglaublich: 40 Tore in einer einzigen Bundesliga Saison zu erzielen, das war schlichtweg sensationell! Beide Spieler waren außergewöhnlich.



Wer hat die Bundesliga sonst noch geprägt?

In den neunziger Jahren war Lothar Matthäus mit Sicherheit die prägendste Figur. Das Gleiche gilt für Oliver Kahn in den 2000ern.

Und die Größten des Weltfußballs?

Spontan sage ich Pelé, Zico, Johan Cruyff, Diego Maradona und Marco van Basten. Sie alle haben eine Epoche geprägt. Jeder auf seine eigene Art.

Welche Nicht-Fußballer haben es Ihnen angetan?

Ich habe Wayne Gretzky und Niki Lauda immer bewundert, aber auch den Handballer Hansi Schmidt, der in den siebziger Jahren den verzögerten Sprungwurf quasi erfunden hat.

Wer sind die kommenden Legenden?

Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Man muss sich nur ansehen, was sie Saison für Saison leisten. Seit etlichen Jahren liefern sich beide Spieler ein spannendes und hart umkämpftes Fernduell, das weltweit bewegt und begeistert. Sie pushen sich gegenseitig und schießen pro Jahr um die 50 Tore, dabei sind sie nicht mal typische Torjäger. Aber es ist kein Zufall, dass die beiden so gut sind. Sie arbeiten sehr hart an sich und das jeden Tag.

Welche Kriterien muss einer erfüllen, um eine Legende zu werden?

Ein Spieler wird auch zur Legende, wenn  sein Charakter einwandfrei und er sich seiner Vorbildfunktion bewusst ist. Fritz Walter war so einer, weil er nicht nur ein herausragender Spieler war, sondern auch ein integrer Mensch. Er stand für bestimmte Werte. Natürlich war es eine andere Zeit, die Nachkriegszeit, aber er hat den Leuten etwas gegeben. Das ganze Volk war stolz auf ihn. Legendär fand ich übrigens auch, wie sich unsere Nationalmannschaft bei der WM 2006 im eigenen Land präsentiert hat: Jürgen Klinsmann und Joachim Löw haben mit einem sympathischen und jungen Auftreten für viel frischen Wind gesorgt und viel fürs Image unseres Landes getan. Und zudem war der Fußball frech und attraktiv.

Mittlerweile sind sie selbst seit vielen Jahren beim DFB engagiert und das in vielen verschiedenen Rollen. Blicken Sie eigentlich noch durch? 

So viele Tätigkeiten sind es gar nicht. Mein Job beim DFB bereitet mir viel Spaß und ich habe tolle Leute um mich herum. Wir wollen gemeinsam Dinge entwickeln. 

Zum Beispiel? 

Wir wollen, dass unsere Nachwuchsmannschaften noch besseren Fußball spielen und jegliche Stagnation vermeiden. Wir versuchen, uns in puncto Trainingslehre und Prophylaxe weiter zu entwickeln. Das kann man nicht alleine schaffen, dafür braucht man Topleute und die haben wir. Was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben, ist das Ergebnis harter Arbeit, aber wir setzen alles daran, um noch weiterzukommen und in keinster Weise nachzulassen.

Zwischendurch haben Sie die Nationalmannschaft der Frauen trainiert. Ihr Eindruck?

Ich war schlichtweg begeistert. Es machte riesig Spaß, mit den Frauen zu arbeiten. Ihre Leistungsbereitschaft, ihre Einstellung zum Training und in den Spielen ist hervorragend. Die Mädels spielen mit Herzblut. Der Frauen-Fußball hat sich absolut positiv entwickelt. Ich hatte es mir nicht so toll vorgestellt. Es war herausragend, wie sie mich aufgenommen haben. Wir sind spielerisch auf einem richtig guten Weg, aber wir müssen auch aufpassen, dass wir weiter hart an uns arbeiten. Das Wichtigste ist: immer am Ball bleiben.

Wer ist einfacher zu führen: Frauen oder Männer?

Ich würde so gar nicht denken. Alle wollen einfach Fußball spielen, erfolgreich sein und dabei Spaß haben. Die Frage ist lediglich: Wie geht man damit um? Am Anfang habe ich auch nicht gewusst, was bei den Frauen auf mich zukommt. Man darf sich als Typ nicht verbiegen. Das war der Schlüssel für mich. Wir atmen alle die Fußball-Sprache. Und schwierige Charaktere gibt es überall und unabhängig vom Geschlecht. 

Sie sind lange im Geschäft. Wie haben sich Fußballspieler in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert?

Man muss zunächst feststellen, dass sich das ganze Umfeld verändert hat. Früher hat man mit 13, 14 Jahren die Schule verlassen und angefangen zu arbeiten. 2000 haben wir beim DFB angefangen, Fußball-Internate einzuführen und Spieler systematisch auszubilden. Heute werden junge Fußballer früher herangeführt. Was die Einstellung angeht, ist die Aggressivität das A und O. Und man braucht eine gewisse Mentalität, um sich nachhaltig auf höchstem Niveau durchzusetzen. Es ist klar, dass man Talent braucht, aber Talent allein reicht nicht. An erster Stelle steht der Charakter. 

Wie meinen Sie das?

Wenn man gut sein will, muss man Spaß bei der Arbeit haben. Man muss Lust haben zu lernen und hart zu trainieren – und das zu jeder Zeit. Das sind die Voraussetzungen, die entscheidend sind, um auf dem Toplevel Karriere machen zu können. Entscheidend ist auch, ein Teamplayer zu sein. Ohne Mannschaft geht es nicht: Man muss für die Mannschaft spielen und sich von der Mannschaft mitnehmen lassen. 

Wo sehen Sie Ihre Zukunft langfristig? 

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Die Geschichte des Bo Jackson hört sich so an, als wäre sie komplett erfunden. Ein Wunderkind spielt Baseball und American Football auf höchstem Niveau, er ist Superstar und Michael Jordan ist sein Sidekick. Die Geschichte ist echt, hat aber kein Happyend.

(fragt seine Frau) Was meinst du? Auf jeden Fall im Ruhestand, oder? Ruhestand ist für mich irgendwie schwer vorstellbar. Werde ich jemals im Ruhestand sein? Auf jeden Fall gibt es viele Sachen, auf die ich viele Jahre zugunsten des runden Balles verzichtet habe und die ich wieder erleben möchte. Irgendwann würde ich sie gerne nachholen. Das war immer mein Ziel. Ich werde die Dinge auf jeden Fall ein wenig anders handhaben als jetzt, das steht schon mal fest. 

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Leben?

Ich habe vieles richtig gemacht, das kann man schon behaupten, glaube ich. Meine Frau und ich führen ein tolles Leben, und es ist ja noch nicht zu Ende. Würde ich erneut vor der Wahl stehen, würde ich genau das Gleiche wieder machen.

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