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"Gott gab mir die Chance, das Fenerbahce-Trikot zu tragen"

"Gott gab mir die Chance, das Fenerbahce-Trikot zu tragen"

Mesut Özil will endlich wieder Fußball spielen - und wechselt zu Fenerbahce in die Türkei. Es ist auch ein Transfer aus Liebe.


Mesut Özil gab seine Entscheidung live im türkischen Fernsehen bekannt. "Gott gab mir die Chance, das Fenerbahce-Trikot zu tragen", sagte der Rio-Weltmeister dem Sender NTV in einer Schalte und bestätigte seinen Wechsel zum 19-maligen Meister aus Istanbul. Der 32-Jährige verlässt wie erwartet England und den FC Arsenal, um seine massiv ins Stocken geratene Karriere am Bosporus wiederzubeleben. 

Seit seiner Jugend Fener-Fan

"Ich bin sehr glücklich, sehr aufgeregt", sagte Özil, der zwei Herzen in den Klubfarben Gelb und Blau twitterte. Er werde das Jersey des Klubs "mit Stolz tragen und alles für das Team geben." Noch am Sonntag will er nach Istanbul reisen, für wie lange Özil sich an Fenerbahce bindet, ist noch nicht bekannt. Er soll fünf Millionen Euro im Jahr verdienen und damit deutlich weniger als zuletzt auf der Insel.



Doch es ist ohnehin kein Transfer des Geldes wegen, sondern einer aus Liebe: In Istanbul hatte Özil im Sommer 2019 seine Amine geheiratet, die in der Millionenmetropole lange Zeit ihren Lebensmittelpunkt hatte. Trauzeuge damals: Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der Machthaber steht zwar auch Meister Basaksehir sehr nahe, gilt aber seit seiner Jugend als Fener-Fan.

Bei den "Kanonieren" hatte Özil keine Zukunft mehr - und so wird er jetzt ein "gelber Wellensittich". Fenerbahce steht in der Türkei etwas im Schatten von Rekordmeister Galatasaray, hat mit 19 Meisterschaften (zuletzt 2014) und sechs Pokalsiegen aber eine stolze Erfolgsbilanz. Aktuell ist der Klub Zweiter der SüperLig - und hat im Gegensatz zu Arsenal gute Chancen auf die Champions League.

Auch Özils Mutter glücklich

Bei den Gunners stand Özil zuletzt im Abseits. Er war nicht einmal mehr für die Premier League gemeldet. Dennoch gab es auch ernsthaftes Interesse von DC United aus der nordamerikanischen Profiliga MLS, von einem italienischen Erstligisten und aus Katar.

Doch die Türkei scheint die logischste Wahl. So sehr Özils Image in Deutschland seit den Erdogan-Fotos vor und dem historischen sportlichen Desaster bei der WM 2018 in Russland gelitten hat, so sehr ist sein Ansehen in der Heimat seiner Eltern gestiegen. Schon die ersten Nachrichten von einem möglichen Transfer zu Fenerbahce hatten die Fans in Ekstase versetzt, Özil dürfte trotz Corona ein stürmischer Empfang erwarten.

Und auch Özils Mutter Gulizar dürfte glücklich sein. Der Sohn hatte ihr einst versprochen, einmal für Fenerbahce zu spielen. Was der 92-malige Nationalspieler (23 Tore) fußballerisch noch drauf hat, ist aber ungewiss. Özil hat seit März 2020 kein Spiel mehr für Arsenal bestritten - das war noch vor der Corona-Unterbrechung in der Premier League. Dass der Klub den früheren Schalker und Bremer loswerden wollte, lag allerdings zuvorderst am üppigen Gehalt des Topverdieners von umgerechnet 390.000 Euro/Woche.

Im vergangenen Oktober hatte Özil seinem monatelang aufgestauten Frust in einem Twitter-Rundumschlag Luft verschafft. "Ich habe Arsenal, dem Klub, den ich liebe, meine Loyalität und Treue geschworen", schrieb er damals: "Es macht mich traurig, dass dies nicht erwidert wird."

Diese Liebe will er jetzt in Istanbul finden.



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