Die besten Storys schreibt der Sport.

Marc Marquez: Rock'n'Roll und Walzer

Marc Marquez: Rock'n'Roll und Walzer


Marc Marquez dominiert die Königsklasse des Motorradsports nach Belieben. Stolz ist der junge Spanier auf sein Elternhaus und seine Ellbogen. Mit einer klaren Ansage an den Weihnachtsmann fing alles an. Marc Marquez, warum sind Sie die Nummer eins? Weil ich kaum Schwächen und die richtige Mischung aus Risiko und Vernunft gefunden habe. 2015 war ich extrem aggressiv und angriffslustig. Ich wurde nur Dritter, weil ich zu viele Stürze hatte und Punkte liegen ließ. 2016 hatte ich aus diesen Fehlern gelernt. Ich ging etwas weniger auf Risiko und wurde Weltmeister. Als ich 20 war, habe ich jedes Rennen als Finale genommen. Jetzt mit mehr Erfahrung kann ich auch mit zweiten und dritten Plätzen leben, weil ich weiß, dass sie fürs Gesamtklassement gar nicht so schlecht sind. Haben Sie Angst? Manchmal denke ich während eines Rennens, dass ich jederzeit sterben könnte. Ich gehöre zu den Piloten, die am häufigsten stürzen. Es sollte einem schon bewusst sein, dass diese Sportart sehr, sehr gefährlich ist, auch wenn die Sicherheit immer besser wird. Aber man sollte lieber zu Hause bleiben, statt mit solchen Gedanken zu viel Zeit zu verschwenden. Ich glaube, dass es für die Zuschauer und die Familie viel schwieriger ist. Meine Mutter leidet enorm; sie denkt immer, dass mir etwas Schlimmes passiert. Aber sie hat noch mehr Angst, wenn ich abends mit Freunden unterwegs bin, weil sie sich fragt, wer mich dann nach Hause bringt und in welchem Zustand derjenige ist. Bei den Rennen ist natürlich für mehr Sicherheit gesorgt. Wie gehen Sie mit Druck um? Wenige Leute wissen das, aber ich habe schon sehr früh unter Haarausfall gelitten. Ich wollte aber nicht schon mit 24 kahl sein, bin also zu meinem Arzt, und er hat mir dann gesagt: Das liege am Stress und man könne es nicht kontrollieren. Manche Piloten sind sehr angespannt, manche weniger. Man muss lernen, in den entscheidenden Momenten mit dem Druck und dem Stress klarzukommen. Das gelingt mir heute immer besser.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #29: Jetzt nachbestellen

Beschreiben Sie uns Ihre Beziehung zu Ihrem Motorrad. Manchmal empfinde ich eine tiefe Harmonie zwischen mir und dem Motorrad. Das ist nicht so leicht zu erklären, weil es ja um eine Maschine geht, aber man fühlt sehr viel, wenn man Motorrad fährt. Es gibt Augenblicke, in denen es sich anfühlt, als sei es ein Teil meines Körpers. Sprechen Sie mit Ihrem Motorrad? Das kommt immer wieder vor. Natürlich gibt es keine Antwort, (lacht) aber es ist eine mentale Sache. Es spielt sich alles im Kopf ab. Sekunden vor dem Start spreche ich ihm Mut zu. Das kommt immer wieder vor. Aber während des Rennens rede ich nicht so oft mit meiner Maschine. Was ist es für ein Gefühl, eine solche Maschine zu fahren? Es ist wie tanzen. Manchmal ist es Rock’n’Roll, wenn das Rennen intensiv ist, manchmal Walzer, weil ich sehr geschmeidig in den Kurven fahre. Hol dir das Socrates-Testabo Wie kommt Ihre Lebenspartnerin mit Ihrer Leidenschaft zu Recht? Momentan bin ich solo, weil meine Priorität der Wettbewerb ist. Aber für die Partnerin ist es alles andere als einfach zu verstehen. Sobald ich ein freies Wochenende habe, will ich unbedingt auf meiner Maschine sein. Irgendwie kann ich nicht ohne. Im letzten Sommer hatte ich zwei Wochen Urlaub. Bereits nach fünf Tagen ging ich wieder on tour. Was genau macht die Faszination aus? Das Adrenalin. Das ist einzigartig. Nach zwei Tagen Urlaub habe ich mir ein Rennen auf dem PC angeschaut. Ich brauche es. Motorrad ist eine Art Lebensstil. Es gibt viele Jungs, die verrückt nach Fußball, Laufen oder Boxen sind. Manchmal macht es gar keinen Spaß, aber dann kommt das Adrenalin. Das Größte für mich ist der Sonntag mit dem Rennen. Ohne Rennen würde ich gar nicht Motorrad fahren. Ein Rennen dauert im Schnitt 45 Minuten. Wie fühlt man sich danach? Körperlich top, weil ich eine gute Kondition habe. Manchmal denke ich, dass ich sofort noch ein Rennen fahren könnte. Aber nach gut zwanzig Minuten spürt man immer mehr die Müdigkeit, bis man in einen Zustand der Erschöpfung kommt. Mir tut dann nichts weh, aber ich kriege die Quittung für das Adrenalin und die maximale Konzentration. Was ist das Schwierigste während eines Rennens? Dass man innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen treffen muss. Die körperliche Vorbereitung ist ungeheuer wichtig, denn nur wenn man topfit ist, funktioniert das Gehirn optimal. Wenn man müde ist, hat man nicht mehr alles im Griff.

From the wonderkid in 125cc to #MotoGP domination!

Diese Website verwendet Cookies – nähere Informationen dazu und zu Ihren Rechten als Benutzer finden Sie in unserer Datenschutzerklärung am Ende der Seite. Klicken Sie auf „Ich stimme zu“, um Cookies zu akzeptieren und direkt unsere Website besuchen zu können.

Weitere Informationen OK