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Verschwörer, Verlierer, Verräter: Lewis und die Partycrasher

Verschwörer, Verlierer, Verräter: Lewis und die Partycrasher

Verschwörung oder einfach nur Schlamperei? Die Strafe gegen Lewis Hamilton spaltet die Formel 1. Mercedes ist in der Pflicht, angesichts der erdrückenden Überlegenheit nicht den Fokus zu verlieren.


Wenn alles so läuft, wie es in der Eifel Mitte Oktober eben läuft, muss sich die Formel 1 am Nürburgring auf ein ungemütliches Wochenende einstellen. Die Wetterprognosen verheißen für den Rennsonntag (11. Oktober) sechs Grad und Nieselregen - das Klima bei Weltmeister Mercedes war allerdings trotz der 30 Grad an der Schwarzmeerküste von Sotschi schon eisig. "So richtig freuen wollte sich niemand", schrieb die britische Sun.

Es geht um Verschwörung, um Verlierer, gar um Verrat. Im Mittelpunkt des Vollgas-Dramas: Lewis Hamilton, der Weltmeister, der vermeintlich Unantastbare, der Sonnenkönig der Formel 1. Ihn hatten die Regelhüter eingebremst, nachdem er auf der Einführungsrunde gleich zweimal an einer dafür nicht vorgesehenen Stelle Starts geübt hatte. Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel nannte das "eine Kleinigkeit, mehr nicht".



"Man hat mir gesagt, es ist okay"

Die Strafe war keine Kleinigkeit: Zweimal fünf Sekunden obendrauf, das frühe Ende der Jagd nach Michael Schumachers Rekord von 91 Grand-Prix-Siegen. "Sie wollen mich mit aller Gewalt einbremsen", sagte ein genervter Hamilton: "Ich glaube nicht, dass vor mir schon mal jemand zwei Strafen für ein- und dasselbe Vergehen bekommen hat".

Dass die Rennkommissare sich selbst nicht ganz sicher waren, verdeutlicht die Tatsache, dass sie die ursprünglich verhängten zwei Strafpunkte gegen den Weltmeister zurücknahmen und stattdessen Mercedes eine Geldbuße von 50.000 Euro aufbrummten. Hamilton hatte sich nämlich bei seinem Kommandostand rückversichert, ob er durfte, was er tat. "Man hat mir gesagt, es ist okay", gab er später zu Protokoll. Außerdem habe er Ähnliches "schon eine Million Mal gemacht, und niemand hat sich darüber aufgeregt".



Bottas nimmt den Sieg dankend mit

Beim Okay des Teams handelte es sich um eine sehr weit gefasste Auslegung der Regel, die besagt, dass ein Fahrer nach der Ampel am Ausgang der Boxengasse am rechten Rand Starts üben darf. "Dort steht nicht, wo genau", sagte Teamchef Toto Wolff, der leitende Mercedes-Renningenieur Andrew Shovlin wurde deutlicher: "Es heißt: Rechts nach der Boxenausfahrt. Wir dachten, das sei zweideutig genug, um uns verteidigen zu können." War es nicht, Hamilton war geschlagen, sein finnischer Teamkollege Valtteri Bottas staubte den geschenkten Sieg dankend ab.

Hier kommt nun möglicherweise der Verrat ins Spiel. Einer der vier Stewards ist der frühere Formel-1-Fahrer Mika Salo, ein Landsmann von Bottas. Salo hatte während der Beratung der Stewards das finnische Fernsehen fortlaufend per WhatsApp über den Stand der Dinge informiert, was strengstens verboten ist. Zudem, so heißt es, habe Salo vehement auf eine harte Strafe für Hamilton gedrängt, obwohl auch eine Verwarnung und eine Geldstrafe im Bereich des Möglichen gelegen hätten.



"Alle Fahrer sind gleich"

Einen Protest wird Mercedes nicht einlegen, wohlwissend, dass man nicht schuldlos an der Misere ist. Schon Anfang September in Monza hatten die eigenen Kontrollmechanismen versagt, als Hamilton trotz Sperrung der Boxengasse zum Reifenwechsel reingeholt wurde. "Jetzt müssen wir uns genau ansehen, warum wir diese Fehler gemacht haben", sagte Toto Wolff, "sowas darf sich nicht wiederholen." Vorteile habe Hamilton durch die Aktion in Sotschi aber nicht gehabt, "und er hat auch niemanden gefährdet".

Und nun also der Nürburgring, dort will Hamilton "peinlich genau darauf achten, alles richtig zu machen". Renndirektor Michael Masi hatte für die Wut des Weltmeisters kein Verständnis: "Es gibt Regeln, die sind für jeden Fahrer gleich, völlig egal, wie er heißt." Vielleicht sind sie für Lewis Hamilton aber doch manchmal ein bisschen gleicher.

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