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Lella Lombardi: Halber Punkt für die Ewigkeit

Lella Lombardi: Halber Punkt für die Ewigkeit


Sie wollte eigentlich Handball spielen, fuhr dann den Lieferwagen ihres Papas, der Wurst- und Fleischwaren verkaufte. Doch am Ende landete Lella Lombardi in der Formel 1 und schrieb Geschichte. Eigentlich wollte sie ja was ganz anderes machen. Handball spielen zum Beispiel, und deshalb verbrachte Maria Grazia Lombardi, Tochter eines Metzgers aus dem Piemont, ihre Freizeit am liebsten in der Sporthalle. Bis eines Tages bei einem Zusammenprall mit einer Gegenspielerin ihr Bein brach und sie mit dem Krankenwagen abtransportiert wurde. Dessen Geschwindigkeit, so erzählte sie später, habe sie so fasziniert, dass sie sich gedacht habe: Ich könnte ja auch Autorennen fahren. Bis es so weit war, fuhr sie aber erstmal den Lieferwagen ihres Vaters, um die Kunden mit dessen Wurst-und Fleischwaren zu beliefern. So manche Ladung kam nicht einwandfrei beim Empfänger an, weil "Bella Lella" zwischenzeitlich immer mal die Grenzen eines italienischen Lieferwagens in den späten fünfziger Jahren austestete.
Eltern unterstützten Lella Lombardi nicht
1965 startete Lella Lombardi ihre Karriere in der Formel Monza. Viel Geld hatte sie nicht, ihre Eltern wollten das gefährliche Hobby nicht unterstützen, und so war die kleine Frau mit den kurzen dunklen Haaren weitgehend auf sich selbst gestellt. Über die Formel Monza, die Formel 3, Formel Ford und Formel 5000 erreichte sie schließlich mit viel Ehrgeiz und Talent 1974 das große Ziel Formel 1 in einem vom italienischen Automobil-Club eingesetzten Brabham. Der Tag, an dem Lella Lombardi ihren Platz in der Historie des Sports eroberte, war ein pechschwarzer in der Geschichte der Formel 1. Am 27. April 1975 belegte die damals 34-Jährige beim Großen Preis von Spanien in Barcelona Platz sechs und bekam dafür als bisher einzige Frau einen halben WM-Punkt.
Der Tod von Rolf Stommelen
Einen halben Punkt deshalb, weil das Rennen nach einem fürchterlichen Unfall des bei Halbzeit führenden Kölners Rolf Stommelen vorzeitig beendet wurde. An Stommelens Lola war der Heckflügel gebrochen, das Auto zischte auf dem engen Stadtkurs am Montjuic als unkontrollierbares Geschoss in die Menschenmenge und riss fünf Zuschauer in den Tod. Lella Lombardi fuhr von 1974 bis 1976 zwölf WM-Rennen, siebenmal kam sie ins Ziel. An die zurückhaltende und doch so ehrgeizige Italienerin, die wenige Tage vor ihrem 51. Geburtstag im März 1992 an Brustkrebs starb, erinnern sich noch immer viele ihrer einstigen Weggefährten. Umsichtig und besonnen sei sie gewesen, auf der Strecke und auch im "richtigen" Leben. Außer ihrem halben WM-Punkt hält Lella Lombardi den Rekord für die höchste Startnummer in der Formel-1-Geschichte. Die "208" auf ihrem Auto 1974 in Brands Hatch war ein Hinweis auf ihren Sponsor Radio Luxemburg, der damals auf 208 mHz sendete. Diesen Rekord wird niemand mehr brechen, denn mittlerweile sind Startnummern in der Formel 1 nur noch bis "99" erlaubt. sid

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