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LeBron James: Druck auf Rassisten

LeBron James: Druck auf Rassisten

Botschaften wie "Antiracist", "Peace" oder "Vote" dürfen auf dem Trikot stehen, und die NBA-Spieler werden auch auf andere Weise gegen Rassismus und Diskriminierung eintreten. Der Restart der Liga steht im Zeichen der Black-Lives-Matter-Bewegung.


Mit den Füßen im kalten Eiswasser hockte LeBron James halbnackt auf einem bequemen Sessel und redete über hässliche Dinge. "Die Polizisten kommen rein, an einen Ort, an dem sie nicht hätten sein dürfen. Sie eröffnen das Feuer und töten eine unschuldige Frau, die eine große Zukunft vor sich hatte", sagte der NBA-Superstar. Es ging um Breonna Taylor, in den USA neben George Floyd das derzeit bekannteste Opfer von Polizeigewalt gegen Schwarze. James ist das Thema wichtig, denn der Fall steht sinnbildlich für anhaltende Missstände.

Die Afroamerikanerin Taylor war im März in Louisville/Kentucky nachts in ihrer eigenen Wohnung von Beamten erschossen worden. Die Türe hatten sie beim Einsatz mit einem Rammbock eingedrückt, obwohl der Hauptverdächtige der Ermittlungen, Taylors Ex-Freund, ganz woanders war - unter polizeilicher Beobachtung. Der Aufschrei hallt noch nach.  

   

Bei der Hymne auf den Knien

James, dreimaliger NBA-Champion von den Los Angeles Lakers, ist die lauteste Stimme der Basketballliga. Und wenn er sie erhebt, hören alle zu. Er nutzt diese Aufmerksamkeit auch in Disney World in Orlando/Florida, wo die Saison ab dieser Woche wegen der Corona-Pandemie zu Ende gespielt wird. Zu viel ist passiert, gerade in den vergangenen Monaten, Rassismus und Diskriminierung sind im Land weiter an der Tagesordnung. 

Gerade die von Schwarzen dominierte NBA will jetzt Zeichen setzen - oft, laut, und unübersehbar. Die New Orleans Pelicans und Utah Jazz planen, bei ihrem Spiel auf die Leuchtbanden rundum das Feld den Schriftzug der Bewegung "Black Lives Matter" (schwarze Leben zählen) projizieren zu lassen. Beim Abspielen der US-Hymne werden die Spieler wohl auf die Knie gehen, so wie es schon viele Footballprofis aus Protest gemacht haben. Früher war das in der NBA ausdrücklich verboten.

Und die Liga hat sich auch etwas Neues ausgedacht. Die Spielernamen auf den Rückseiten der Trikots dürfen durch eine Reihe von Botschaften wie "Antiracist" (Antirassist) oder "Justice" (Gerechtigkeit) ersetzt werden, der Großteil der Profis macht mit.



James legt den Finger in die Wunde

So auch Maximilian Kleber (Dallas Mavericks). Der deutsche Begriff "Gleichberechtigung" soll auf seinem Jersey über der Nummer 42 stehen, sein Nationalmannschaftskollege Isaac Bonga (Washington Wizards) entschied sich für "Peace" (Frieden), Dennis Schröder (Oklahoma City Thunder) und Daniel Theis (Boston Celtics) wählten "Black Lives Matter".

Ausgerechnet James verzichtet darauf. Er hat Gründe. "Das hat nichts mit fehlendem Respekt zu tun", betonte der 35-Jährige, "ich ermutige jeden, etwas auf die Rückseite seines Trikots zu packen." Er müsse dies aber nicht tun, "damit die Leute meine Mission verstehen oder wissen, worum es mir geht und wozu ich hier bin."

James erhebt eben lieber die Stimme. Legt den Finger in die Wunde. So war es beim Fall George Floyd, der auf offener Straße bei einer Festnahme getötet wurde, und so ist es bei Breonna Taylor. "Ich habe mit vielen Leuten in Louisville gesprochen. Sie sind entsetzt, traurig, angewidert und sauer", so James.

Er will Ergebnisse sehen, Konsequenzen für die Polizisten, die Breonna Taylor mit acht Kugeln trafen: "Wir werden weiterhin Druck machen. Hoffentlich wird der Generalstaatsanwalt da unten tun, was richtig ist."

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