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Kingsley Coman im Interview: „Ich galt immer als Außenseiter“

Kingsley Coman im Interview: „Ich galt immer als Außenseiter“

Kingsley Coman spricht nicht so gerne. Es sei denn, es gibt Kekse oder er darf über Fußball sprechen. Wenn er das tut, schwärmt er. Von Pep, von Robben, von Kimmich.


Kingsley Coman, Sie sind seit bald vier Jahren in München. Wie geht es Ihnen hier?

Ich fühle mich richtig wohl und bin sehr glücklich. Die erste Saison war großartig, die zweite eher durchwachsen. Danach war ich immer wieder verletzt. Aber egal wie es gerade lief, habe ich jederzeit den Rückhalt im Klub gespürt. Der FC Bayern ist eine große Familie. 

Woran machen Sie das fest?

Anfang 2017 bekam meine damalige Freundin ein Baby. Ich war bei der Geburt dabei, hatte aber keine Möglichkeit, den Verantwortlichen Bescheid zu geben, dass ich zu spät zum Training erscheinen würde. Als ich ankam, teilte ich kurz mit, was passiert war, und sie haben sich einfach für mich gefreut. Ich hatte mit einer Geldstrafe gerechnet.

Uli Hoeneß ist die große Vaterfigur beim FC Bayern. Wie erleben Sie ihn?

Vor ein paar Monaten lud er mich zu sich nach Hause an den Tegernsee ein, damit wir uns näher kennenlernen und austauschen. Nur wir beide. Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre. Er hatte extra für mich ein paar leckere bayerische Kekse vorbereitet. Er wollte vor allem wissen, wie ich ticke. Nach diesem Gespräch habe ich noch besser verstanden, warum viele Leute sagen, dass der FC Bayern eine Familie sei. Er sagte mir: Wenn ich täglich alles für den Verein gebe, werden die Bosse jederzeit für mich da sein und mir zur Seite stehen. Seit diesem Gespräch fühle ich mich noch wohler.

Das Interview erschien in Ausgabe #30 im April 2019: Hier klicken und nachbestellen



Seit Sie 2013 Ihr Profidebüt gaben, wurden Sie jedes Jahr Meister. Könnte schlechter laufen, oder?

Ich hatte bisher das Glück, bei Topklubs unter Vertrag zu stehen. Aber man muss das schon relativieren: Bei Paris Saint-Germain kam ich nur zu zwei Einsätzen und sechs Minuten Spielzeit; dieser Titel hat einen anderen Stellenwert als die mit Juventus und vor allem natürlich dem FC Bayern. Aber klar: Fünfmal Meister mit 22 Jahren kann sich sehen lassen. Das ist magnifique.

Ende 2017 verlängerte der FC Bayern vorzeitig mit Ihnen bis 2023. Das ist ein großer Vertrauensbeweis.

Dieser Tag der Vertragsverlängerung war bisher einer der schönsten meiner Karriere. Meine Unterschrift bedeutet, dass ich langfristig bei einem der besten Klubs der Welt bleiben möchte. Leider war ich seitdem oft verletzt, aber ich will das in mich gesetzte Vertrauen unbedingt mit Topleistungen zurückzahlen. Das bin ich dem Klub schuldig. 

PSG, Juve, Bayern… Sie waren gerade 19, als Sie beim dritten Topklub unterschrieben. Ging das nicht ein bisschen zu schnell?

Das stimmt schon, aber ich bewahre immer einen kühlen Kopf. PSG war der Klub meiner Jugend, dort fing alles an. Der Wechsel nach Turin war dann sehr schwierig, weil ich Probleme mit der Taktik und dem Spielsystem hatte. Auch kam ich dort nicht auf meiner Lieblingsposition zum Einsatz. Ich habe aber viel gelernt. Und in München läuft es sehr gut.

Das FC Bayern-Heimtrikot für die Saison 2020/21

Das FC Bayern-Heimtrikot für die Saison 2020/21

Der FC Bayern hat heute sein neues Heimtrikot für die Saison 2020/21 präsentiert. Das neue Heimtrikot wird im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt erstmals von den FC Bayern-Profis getragen.

Ihr erster Trainer in München war Pep Guardiola. Was haben Sie von ihm gelernt?

Er ist sehr detailversessen und legt großen Wert auf taktische Dinge. Unter ihm habe ich mich deutlich verbessert. Er hat mir immer geraten, Tempo aufzunehmen, den Gegner direkt anzulaufen und ins Dribbling zu gehen. Nun ist das meine größte Stärke. 

Woran müssen Sie noch arbeiten?

Ich kann noch geschickter und aggressiver in die Zweikämpfe gehen, mich in Eins-gegen-eins-Situationen besser durchsetzen. Auch im Spiel gegen den Ball habe ich mit Sicherheit Verbesserungspotenzial.

Sie sind sehr gut mit Joshua Kimmich befreundet. Wie kam es dazu?

Wir sind gleichzeitig zum FC Bayern gekommen und haben uns sofort angefreundet. Wir gehören zur gleichen Generation. Und: Josh hat mir bei der Integration sehr geholfen.

Welche Bayern-Spieler haben Sie bislang am meisten beeindruckt? 

Als Typ Rafinha. Er ist immer gut gelaunt, sorgt für gute Stimmung in der Kabine und lebt tagtäglich vor, dass er glücklich ist, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Er ist ein Vorbild für viele Kollegen. Spielerisch hat es mir Arjen Robben besonders angetan, weil er eigentlich immer das Gleiche macht, aber damit immer wieder sehr erfolgreich ist. Inzwischen kann er mich nicht mehr überraschen, weil ich ihn zu gut kenne, aber er ist schon eine besondere Persönlichkeit.

Es kommen immer mehr Franzosen in die Bundesliga. Warum?

Die Bundesliga ist eben eine der attraktivsten und besten Ligen der Welt, und die Franzosen verfügen momentan über eine unglaubliche Zahl an jungen Talenten, vor allem was die Offensive angeht. Hier können sie sich bestens entwickeln, weil sie Einsatzzeiten bekommen. Beim Abpfiff freue ich mich jedes Mal, wenn ich mit einem Landsmann plaudern und das Trikot tauschen kann.

Was hat Ihnen am meisten imponiert, als Sie nach München kamen?

Dass ich immer in einem ausverkauften Stadion spielte, egal ob in der Allianz Arena oder auswärts. Insofern ist jedes Spiel ein Highlight und das genieße ich sehr. Die Bundesliga ist wunderbar.

Werden Sie in München auf der Straße angesprochen?

Ich gehe nicht so oft in die Stadt, nur manchmal zum Shoppen oder Essen, aber klar: Die Leute erkennen mich. Ich muss aber sagen, dass mich das Verhalten der Fans total begeistert. Es ist immer sehr respektvoll. Ich kann nie nein sagen, gerade wenn Kinder mit einem Wunsch auf mich zukommen. Es ist wunderschön, Kindern eine Freude zu machen.

Was bleibt Ihnen von Robben und Franck Ribéry in Erinnerung?

Sie sind Bayern-Legenden und haben den Klub in den Jahren geprägt. Sie haben hier alle möglichen Trophäen gewonnen, sie sind nach hartnäckigen Verletzungen immer wieder aufgestanden und in jeder Trainingseinheit ist ihre Einstellung ein Beispiel für jeden jungen Spieler.

Zu Ribéry ist es eine besondere Beziehung, oder?

Franck ist für mich so etwas wie eine Inspiration, was Einstellung, Vereinstreue und Siegeswillen betrifft. Aber ich bin Coman und nicht der neue Ribéry. Es ist immer schwierig, Spieler zu vergleichen, außerdem kann niemand Franck eins zu eins ersetzen.

Sie reden nicht gerne mit den Medien. Warum eigentlich?

Ich zeige lieber auf dem Platz, was ich kann. Ich gebe selten Interviews und eigentlich auch nur für die Fans, die mehr über mich wissen wollen. Ich versuche, dabei immer authentisch zu bleiben.

Schauen Sie sich viel Fußball im TV an? 

Mehr als früher und überhaupt immer mehr. Ich schaue mir gerne die Topspiele der anderen Ligen an, etwa der Premier League. Gerade dort sind viele internationale Toptrainer beschäftigt und ich will mitbekommen, was sich so tut. Während meiner Verletzungspausen hatte ich viel Zeit, Spiele vom Sofa aus zu verfolgen.

Das heißt, Sie spielen inzwischen weniger auf der Playstation? 

Ich spiele immer noch gerne, aber mittlerweile schaue ich tatsächlich mehr Spiele im Fernsehen an. Ich will sehen, wie andere Spieler auf meiner Position agieren – mit und ohne Ball.

Was halten Sie eigentlich von Kylian Mbappé?

Wir haben gerade in Frankreich eine fantastische Generation mit zahlreichen außergewöhnlichen Talenten wie Mbappé, Dembélé, Lemar oder Martial. Sie sind sehr schnell gereift und davon profitiert die Nationalmannschaft. Kylian ist ein Juwel und es ist einfach toll, dass wir ihn haben. Mit 20 Jahren ist er in seiner Entwicklung schon ungeheuer weit. Und wie er seine Gegner überläuft, ist atemberaubend. 

Zu den außergewöhnlichen Talenten Frankreichs zählen auch Sie. Schreckt Sie die enorme Konkurrenz im Nationalteam?

Im Gegenteil, sie spornt mich an. Ich finde sogar, dass die Konkurrenz beim FC Bayern noch größer ist und die schreckt mich auch nicht. Seit ich Profi bin, wurde ich mit starken Konkurrenten konfrontiert. Ich musste mich schon oft beweisen und galt immer als Außenseiter. Aber ich habe ein großes Selbstvertrauen und ich weiß, dass ich mich sowohl in der Nationalmannschaft als auch in München durchsetzen werde.

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