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70 Jahre alte Schraube

70 Jahre alte Schraube

Die Formel 1 feiert Geburtstag: Ihren 70. begeht sie am kommenden Wochenende in Silverstone, wo im Jahr 1950 alles begann. Aus einer Schrauberserie wurde ein weltumspannendes Multi-Millionen-Geschäft.


Treffen sich ein Schweizer Baron, ein Prinz aus Thailand und ein belgischer Jazzmusiker auf einem englischen Weltkriegs-Flugplatz. Was klingt wie der Anfang eines Witzes, wurde am Ende doch noch eine ziemlich große Nummer: Im Mai 1950 bestritt die Formel 1 in Silverstone ihr erstes WM-Rennen, nun feiert sie an gleicher Stelle ganz offiziell Jubiläum: "Grand Prix zum 70. Geburtstag der Formel 1", diesen etwas sperrigen Titel trägt das fünfte Saisonrennen am Sonntag (15.10 Uhr).

Die Königsklasse des Motorsports mag sich seit Jahren wachsender Kritik und Skepsis ausgesetzt sehen, ohne Zweifel ist sie jedoch eines der größten Sportevents der Welt. Davon war nicht unbedingt auszugehen an jenem Samstag vor gut 70 Jahren. Zwar war der Rahmen schon damals beeindruckend, rund 120.000 Zuschauer säumten die Strecke auf der ehemaligen Station der Royal Air Force - darunter auch König George VI. samt Familie.



Claes beendete sogar seine Musik-Karriere

Auf der Strecke und in den Garagen tummelten sich aber vor allem Bastler, Idealisten und Privilegierte. Einen der damals noch zylinderförmigen Boliden steuerte etwa Birabongse Bhanudej Bhanubandh, Prinz von Siam, Mitglied der königlichen Familie Thailands. Und aus nachvollziehbaren Gründen in der Startliste als B.Bira geführt. In einem weiteren Maserati saß Baron Emmanuel de Graffenried aus der Schweiz, beide hatten Jahre zuvor ihre Leidenschaft für den Motorsport entdeckt und wollten nicht fehlen bei der Premiere dieser neuen Serie.

Johnny Claes beendete für den Sport sogar seine Musik-Karriere - wobei er vielleicht lieber beim Jazz geblieben wäre. "Johnny Claes and the Clay Pigeons" machten sich bis in die späten 40er Jahre einen beachtlichen Namen nicht nur in den Londoner Bars, am 13. Mai 1950 kam er in seinem Talbot dann als Letzter ins Ziel. Mit sechs Runden Rückstand auf die Spitze.



Dann kam Ecclestone

In diesem recht bunt zusammengewürfelten Feld hatten die Profis leichtes Spiel. Ferrari trat in Silverstone nicht an, es hatte Streit um das Startgeld gegeben, und so fuhr Alfa Romeo zum Dreifachsieg. Ganz oben auf dem Treppchen stand Giuseppe Farina, einer der ersten großen Namen der Formel 1, am Ende der Saison auch erster Weltmeister. Sein Teamkollege Juan Manuel Fangio schied im ersten Rennen aus - seine Zeit sollte noch kommen. Der Argentinier prägte mit fünf WM-Titeln die 50er Jahre.

Einer, der den ganzen Laden viele Jahre später mal übernehmen sollte, war im Frühsommer 1950 auch schon dabei. Wenn auch nur als Randfigur. Bernie Ecclestone, damals 19 Jahre alt, startete im Rahmenrennen. Bald fand er heraus, dass Verhandeln und Verkaufen ihm viel besser lagen als die Rennfahrerei. Vom Gebrauchtwagenhändler brachte er es zum Teamchef in der Formel 1, und seit den 70ern stieg der Brite auf zum Vermarkter und Geschäftsführer der Serie.

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Die fetten Jahre sind vorbei

Es war Ecclestone, und tatsächlich beinahe Ecclestone allein, der die Formel 1 von einer Serie für PS-Fans zum weltumspannenden Mainstream-Event wandelte. Schon Ende des Jahrtausends war die Königsklasse zum drittgrößten Sportereignis nach Olympia und der Fußball-WM herangewachsen.

Die ganz fetten Jahre sind mittlerweile vorbei, rund um ihren 70. hat die Formel 1 zu kämpfen. 20 PS-Monster, die auf der ganzen Welt Benzin verbrennen, wirken in Zeiten der Klimaproteste irgendwie aus der Zeit gefallen - und dennoch erreichen Sebastian Vettel und Co. immer noch verlässlich ein Millionenpublikum.

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