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DFB-Präsident Keller: "Der Fußball darf keine Geldwaschmaschine sein"

DFB-Präsident Keller: "Der Fußball darf keine Geldwaschmaschine sein"

Fritz Keller wird am Sonntag ein Jahr Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sein. Im Gespräch mit dem SID zieht der 63-Jährige ein Fazit seiner bisherigen Amtszeit und blickt nach vorne.


Herr Keller, am Sonntag werden Sie ein Jahr als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Amt sein. Zeit für ein Zwischenfazit also. Fangen wir mit dem Positiven an. Was war ihr größter Erfolg bis hierher?

Der größte Erfolg war und ist, dass wir trotz der Corona-Pandemie wieder Fußball spielen - und zwar der gesamte Fußball, der als Einheit aufgetreten ist, ob Amateure oder Profis, Frauen oder Männer. Die ganze Welt hat uns darum beneidet, wie wir das hinbekommen haben. Wichtig war auch, dass wir mit als erster Verband die Proteste von Spielern gegen Rassismus nicht, wie es die internationalen Statuten vorschreiben, geahndet haben. Die jungen Generationen müssen sich politisch engagieren - auch wenn es unbequem ist. Ich liebe unbequeme Menschen. Nur wenn man die um sich herum hat, kann man sich entwickeln. Wir sind allerdings gefordert, nun Regeln und Leitplanken zu erarbeiten. Das Beispiel zeigt: wir müssen uns ständig hinterfragen, auch wenn es unbequem ist.

Unbequem sind auch die Fragen nach den Summen, die im Fußball zirkulieren...

Fußball wird immer ein Leistungssport bleiben. Derjenige, der mehr leistet, soll auch mehr bekommen. Das ist auch in der sozialen Marktwirtschaft so. Aber die Kontrollfunktionen müssen gestärkt werden. Die Mechanismen der sozialen Marktwirtschaft könnten ein Ansatz sein, die Dinge im Fußball besser zu regulieren. Dabei sind aber auch die Politik und die UEFA gefragt.



Damit sprechen Sie ihre Bemühungen an, eine Gehaltsobergrenze und ähnliche Instrumente zu implementieren. Aber ist die Frage nicht eher grundsätzlicher Natur? Wird im Fußball nicht einfach nur unanständig viel Geld verdient?"

Das kann man so sehen. Aber mich bewegt auch die Frage nach den Geldflüssen. Der Fußball darf keine Geldwaschmaschine sein, wie es in bestimmten Ländern der Fall sein könnte. Ich habe keine fertigen Lösungen parat, aber wir haben das bei den internationalen Verbänden und der Politik angesprochen und entsprechende Impulse gesetzt, um gemeinsam welche zu finden. Das Geld muss wieder an die Basis - und nicht in die Hände von Beratern und anderen, die es abzweigen. Wir brauchen Regeln auf der internationalen Ebene.

Wenn Sie diese Regeln einführen möchten, müssten Sie eigentlich in das Council des Weltverbandes FIFA. Streben Sie das an?

Ich bin mit der Idee angetreten, die Verantwortung auf verschiedene Schultern zu verteilen und im Team zu arbeiten. Einen Verband kann man nicht mehr nach Gutsherrenart führen. Zudem ist es für die Meinungsbildung und einen kritischen Ansatz manchmal besser, nicht Teil einer Gruppe zu sein. Wir sind froh, dass unser Vizepräsident Rainer Koch im Exekutivkomitee der UEFA sitzt. Und wir streben auf jeden Fall auch ein Mandat für das FIFA-Council an. Wer für uns antreten soll, werden wir noch besprechen.

Mit Blick auf die FIFA steht vor allem Präsident Gianni Infantino in der Kritik. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren in der Schweiz. Hätte er Konsequenzen ziehen müssen und muss der DFB Kritik nicht deutlicher artikulieren?"

Zunächst einmal gilt der Leitsatz "Im Zweifel für den Angeklagten". Zudem führt interne Kritik eher zum Ziel als öffentliche. Es geht mir nicht um Profilierung. Es geht mir darum, das Beste für den Fußball zu erreichen. Wir werden nicht spekulieren, den Ausgang des Verfahrens abwarten - und dann die richtigen Folgerungen daraus ziehen.



Spekuliert wird derzeit über die Sommermärchen-Affäre. Die Stichworte sind Bestechung, Korruption bezüglich von TV-Rechten und Stimmenkauf. Der DFB hat sogar eine Detektei engagiert, die für Aufklärung sorgen soll. Haben Sie mittlerweile neue Erkenntnisse?

Wir haben einige neue Erkenntnisse, und ich bin zuversichtlich, dass wir uns zum gegebenen Zeitpunkt dazu auch äußern können. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, dass alle Beteiligten von sich aus die Karten auf den Tisch legen. Das wäre mir am liebsten. Salami-Taktik bringt nichts. Ich wünsche mir, dass das großartige Sommermärchen wieder ein Stück aus dem Schatten treten kann, dazu hat dieses Ereignis unserem Land so viele positive Impulse gebracht. Deshalb sollten nun auch die letzten Geheimniskrämer mit der Wahrheit rausrücken."

Wer Geld rausrückt - darum wird es im Grundlagenvertrag gehen, den der DFB mit der DFL bald neu verhandeln muss. Mit welchem Ziel gehen Sie in die Verhandlungen?"

Erst einmal müssen wir schauen, wie der gesamte Fußball aus der Pandemie herauskommt. Es gibt bekanntlich einige Vereine, deren Überleben längst nicht sicher ist. Grundsätzlich gilt, dass auch der große Fußball damit beginnt, dass Kinder auf dem Dorf kicken. Also müssen diejenigen, die ausbilden, auch belohnt werden. Es gibt nur einen Fußball in seiner Gesamtheit. Natürlich gehört auch mal eine Diskussion dazu. Es darf am Ende aber nur einen Sieger geben - den Fußball."



Die Zuschauer sind am Wochenende zum Teil in die Stadien zurückgekehrt. Doch gerade mit Blick auf den Supercup in Budapest gibt es auch Kritik. Ist das Ganze nicht ein Spiel mit dem Feuer?"

Wir sind bei der Entwicklung der Pandemie und den geeigneten Maßnahmen in erster Linie auf die Wissenschaft angewiesen. Wir müssen lernen, mit Corona zu leben. Da hat der Fußball für gute Beispiele gesorgt. Aber ich selbst werde nicht nach Budapest reisen. Denn wir müssen zwar nach vorne denken, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen.

Die Frage nach den Erfolgen stand am Anfang. Es gab aber auch Kritik und schwierige Phasen. Haben Sie manchmal daran gezweifelt, der Richtige für das Amt zu sein? Haben Sie es bereut, den Job angenommen zu haben?

Nein, nie. Beim Hobeln fallen Späne. Fehler machen nur diejenigen, die etwas tun. Wer aber nichts tut, der macht damit schon den größten Fehler. Wir alle machen Fehler, natürlich auch ich. Und wahrscheinlich werde ich wieder Dinge falsch machen. Aber wichtig ist, dass wir immer im Sinne des Fußballs handeln – auf diesem Weg möchte ich alle mitnehmen. Mit der Ausrichtung der EM 2024 hat der deutsche Fußball eine fantastische Perspektive. Auf dieses Turnier können wir uns alle freuen.

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