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Brasiliens Fußball überrollt alle Bedenken

Brasiliens Fußball überrollt alle Bedenken

Am Wochenende startet Brasiliens erste Liga in die Saison. Ein mit aller Gewalt gewagter Schritt zurück in die Normalität.


Nach acht Monaten Entzug bekommt das Land, das aus Fußball existiert, seine Identität zurück. Brasilien trifft am Samstag seine erstklassige Serie A, die im vergangenen Dezember in die Sommerpause gegangen war und sich wie alle anderen auf der Welt lange vor dem Coronavirus versteckte.

Schon vor rund 50 Tagen rollte der Ball erstmals am Zuckerhut. Bei einem Regionalmeisterschaftsspiel im Maracana, mit einem Feldlazarett auf der Rückseite der Tribünen. An jenem 18. Juni waren es landesweit 48.000 COVID-19-Tote, am vergangenen Dienstag zählte Brasilien erschreckend doppelt so viele, Entwarnung ist nicht in Sicht.



Corinthians lehnt Corona-Test ab

Doch an Rio de Janeiros berühmten Stränden ist ein Sprung ins Meer längst wieder erlaubt, ein Sonnenbad im Sand jedoch nicht. Sao Paulo öffnet Bars und Restaurants, aber vorerst nur bis 22.00 Uhr. Erstliga-Fußball ohne Zuschauer ist da ein ersehnter Schritt zur Normalität.

Aber ein gewagter. Am Samstag ermitteln SC Corinthians und SE Palmeiras den Staatsmeister im Bundesland Sao Paulo. Der erstgenannte Klub lehnte anfangs den obligatorischen COVID-19-Test ab. Begründung: Das Team befände sich ja in Isolierung. Der Gegner ließ sich testen, verzichtete dann aber auf die Abkapselung.

Auf 60 Seiten hat der nationale Verband CBF seinen 20 Erstligisten die Schutzmaßnahmen in die Hand gedrückt. Sogar das übliche Abspielen der Nationalhymne wurde untersagt, um beim Mitsingen die Aerosol-Übertragung von Viruspartikeln zu vermeiden.



Drei Spiele fallen aus

Der Verband hatte auch mitgeteilt, wann er seine Ligen starten will. Daran orientiert hat sich kaum einer der Landesfürsten, die in ihren Meisterschaften auf die lukrativen K.o.-Duelle mit Hin- und Rückspiel nicht verzichten. Zum Saisonauftakt fallen gleich drei Spiele aus, weil die Teams noch anderweitig beschäftigt sind.

Dass der FC Santos drei Tage vor Ligastart seinen portugiesischen Trainer Jesualdo Ferreira feuerte, dass Ceara SC in diesem Jahr schon 23 offizielle Partien, Aufsteiger Atletico Goianiense aber erst 13 bestritt, dass Gremio Porto Alegre wegen städtischer Pandemie-Auflagen erst am Dienstag grünes Licht für sein Heimspiel bekam, dies alles sind Abnormitäten, die Brasilien duldet.

Und die nun auch Domenec Torrent, den Deutschen als Assistent von Erfolgscoach Pep Guardiola bei Bayern München ein bekanntes Gesicht, am eigenen Leib erlebt. Der Spanier soll als Nachfolger des zu Benfica Lissabon gewechselten Portugiesen Jorge Jesus CR Flamengo, unter anderem Meister und Libertadores-Cup-Gewinner im Vorjahr, auf dem Erfolgsweg halten.



Ein Neuling

Neuling in der Liga ist auch Red Bull Bragantino, dessen Aufstieg dem Brause-Imperium diesseits des Atlantiks Talente zuspülen sollen. Und Salomon Kalou. Der Ex-Herthaner kennt sich aus mit Liga-Restart, hatte sich mit einem dummen Kabinen-Video in Berlin selber ins Abseits gestellt.

Nun stürmt der 35-Jährige in Rio für Botafogo FR. Bis zum 24. Februar kommenden Jahres weiter erstklassig, bei 22 der bevorstehenden 28 Wochen auch mit Punkt- oder Pokalspielen unter der Woche. Die südamerikanischen Cup-Wettbewerbe sowie Länderspiele füllen den Kalender zusätzlich. Der Schritt zurück zur Normalität ist gewaltig.

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