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Die ewige Suche nach der Konstanz: Alte Probleme beim BVB

Die ewige Suche nach der Konstanz: Alte Probleme beim BVB

Die ewige Suche nach der Konstanz ist für Borussia Dortmund nach zwei Spieltagen schon wieder das große Thema. Trainer Lucien Favre wirkt zerknirscht.


Lucien Favre ignorierte die Fragen einfach, Michael Zorc wollte das offensichtliche Thema mit einem Satz abräumen. "Das hat nichts mit jungen Spielern zu tun", sagte der Sportdirektor von Borussia Dortmund nach dem bitteren 0:2 beim FC Augsburg. "Da wird oft zu einfach gedacht."

Es liegt aber auch zu nahe. Die jungen, wilden Dortmunder Ballzauberer, die nach gegnerischem Ballverlust drauf losstürmen können wie kaum eine andere Mannschaft auf der Welt - sind sie geschaffen dafür, wenn es in der Liga von eingeigelten, erfahrenen Spielern auf die Knochen gibt? In England hat der Kommentator Andy Gray vor fast zehn Jahren einen legendären Satz geprägt: "Can they do it on a cold rainy night in Stoke?"

Vor dem Supercup bei Bayern München am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF und DAZN) hat die Diskussion der vergangenen Jahre den BVB schon wieder eingeholt: Die ewige Suche nach der Konstanz. Der Dortmunder Jugendstil in der "Fabrik der Superstars" (CNN) ist inzwischen ein europaweites Markenzeichen, selbst gewähltes Schicksal und wahrscheinlich die einzige Chance, es halbwegs mit dem FC Bayern aufzunehmen. Aber er hat seine Schattenseiten. 



"Auch ältere Spieler haben Fehler gemacht"

Sechsmal sprach Favre in der 14-minütigen Pressekonferenz über die fehlende Geduld seiner Mannschaft - über fehlende Erfahrung sprach er nicht. 80 Prozent Ballbesitz und 91 Prozent Passquote waren ebenso wertlos gewesen wie die 18:6 Torschüsse. "Auch ältere Spieler haben Fehler gemacht", betonte Zorc. 

Recht hatte er. Emre Can, Mats Hummels, Marco Reus, Julian Brandt: An gestandenen Spielern mangelt es eigentlich nicht. Andererseits sind Jadon Sancho, Erling Haaland, Jude Bellingham und Giovanni Reyna zusammen ganze 74 Jahre alt. Der stetige Weiterverkauf der gereiften Stars für viele Millionen Euro verhindert den Aufbau einer Mannschaft über Jahre.

"Es hat etwas gefehlt," sagte Favre zerknirscht. Aber was? Es dauerte ganze 180 Saisonminuten, bis die Bild-Zeitung den Trainer in einem Kommentar als "armes Hutzel-Männchen" bezeichnete, wobei der alte Vorwurf mitschwang, der Schweizer könne keine Titel gewinnen. Entsprechend war der Sonntag beim BVB durch das 1:4 der Bayern bei der TSG Hoffenheim ein Tag zwischen Erleichterung und doppeltem Ärger: Ein Sieg wäre Gold wert gewesen.



"Geduld, Geduld"

So aber kleben die Dortmunder im alten Muster. Sie können Gegner, die mitspielen wollen, chirurgisch filetieren, und sie stolpern hadernd, wenn es ungemütlich wird. Wie bei Union Berlin, vorige Saison in Hoffenheim. Wie schon einmal in Augsburg, wie zweimal gegen Werder Bremen im DFB-Pokal.  

Wenn die kommenden Gegner sich das Augsburger Vorgehen zur Blaupause nehmen, wird der BVB es als "träge Masse" (FAZ) schwer haben. Im Supercup, dem Spiel, das derzeit niemand braucht, ist zumindest eines gesichert: Die Bayern werden versuchen zu dominieren, das dürfte Dortmund sehr gelegen kommen.

Danach kommt der SC Freiburg. Favre hat einen Plan: "Wenn du unbedingt gewinnen willst", sagte er, "ist das super. Aber wir brauchen Geduld. Geduld."

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