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„Pep ist der Beste der Welt“

„Pep ist der Beste der Welt“

Arjen Robben wollte eigentlich erst gar nicht zum FC Bayern kommen, dann aber überzeugte ihn Louis van Gaal. Doch zum kompletten Fußballer, sagt er im Interview, wurde er unter Pep Guardiola. Das Interview mit einem glücklichen Niederländer, der auch Ohrfeigen und Pfiffe heute ganz anders sieht.


Herr Robben, haben Sie als Kind oder Jugendlicher die Bundesliga verfolgt?

Nicht jedes Wochenende, aber immer wieder zusammen mit meinem Vater. Für uns Holländer war die Bundesliga die Liga, die man am intensivsten verfolgt hat. Damals gab es das Duell Bayern gegen Dortmund. Aber auch Werder Bremen mischte ganz oben mit.

An welche Spieler denken Sie spontan?

Beim FC Bayern erinnere ich mich vor allem an den Titan, aber auch an Stefan Effenberg und Giovane Élber. Dann gab es natürlich Aílton, Stéphane Chapuisat oder Karl-Heinz Riedle.

Das waren alles Spieler mit Charisma. Jeder große Spieler hat ein Markenzeichen und jedes Kind kennt Ihres: Sie ziehen von rechts mit Tempo nach innen und schießen – bevorzugt auf die lange Ecke. Sind Sie stolz auf den Robben-Move?

Meine Frau sagt, dass ich darauf stolz sein darf. Mit dieser Nummer habe ich mir in all den Jahren einen Namen gemacht. Und das Schönste ist: Auch mit 35 Jahren funktioniert sie noch.

Haben Sie bis zuletzt an ihm gefeilt?

Nicht wirklich. Es ist eher eine Gefühlssache. Der Schlüssel ist, den richtigen Zeitpunkt zum Abschluss zu finden. 

Den Abschluss Ihrer Karriere haben Sie im Sommer gefunden.  Alles richtig gemacht? 

Ich kann ja mit Stolz behaupten, dass ich mit dem FC Bayern alle möglichen Titel gewonnen habe. Auf meine Gesamtbilanz bin ich unheimlich stolz. Ich habe in diesen zehn Jahren, die eine dererfolgreichsten Epochen in der Geschichte des Vereins waren, eine wichtige Rolle eingenommen. 

Hand aufs Herz: Hätten Sie gedacht, dass Sie so lange in München bleiben werden?

Hätten Sie mir diese Frage im August 2009 gestellt, als ich meinen Vertrag unterschrieb, hätte ich die Frage wohl verneint. Aber einem solchen Verein so viele Jahre die Treue zu halten, ist ein unglaublich schönes Gefühl. Darauf bin ich besonders stolz. Mit 35 Jahren immer noch bei einem der besten Klubs der Welt zu spielen, schafft nicht jeder. Und dieser Verein ist nicht nur sportlich Weltklasse, sondern wie eine Familie. 

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Franck Ribéry in all der Zeit beschreiben?

Wir sind uns mit der Zeit immer nähergekommen. Ernsthaft: Wie wäre die letzte Dekade ohne Franck verlaufen? Mit Sicherheit nicht so erfolgreich. Er hat eine Epoche durch seine herausragenden Fähigkeiten geprägt. Zusammen haben wir Großes geleistet und dafür gesorgt, dass der FC Bayern mit einem neuen Spielstil in die absolute europäische Spitze zurückkehrte.

Was meinen Sie konkret?

Bevor Franck und ich nach München kamen, war das Flügelspiel nicht wirklich von Bedeutung und Bayern war eher dafür bekannt, durch das Zentrum zu kommen. Wir haben das Spiel breiter und unberechenbarer gemacht.

Mit Ribéry ging es aber nicht immer harmonisch zu. 2012 im Champions- League-Halbfinale gegen Real Madrid hat er Ihnen in der Pause eine gelangt. 

Das war in dem Moment schon heftig. Aber wenn ich heute an diese Szene denke, kann ich darüber lachen. Streitigkeiten gibt es bei jedem Verein. Seit diesem Vorfall haben wir uns außerhalb des Platzes übrigens immer besser verstanden. 

Auf dem Platz ging es aber auch ganz gut. 2013 hat Ihnen Ribéry den Siegtreffer im Champions-League-Finale gegen Dortmund aufgelegt. Das Highlight überhaupt?

Mit Sicherheit. Ich werde diese Szene nie vergessen, Francks Vorlage war der reine Instinkt. Der Rest war pure Ekstase. Endlich waren wir die Könige Europas! Es war der größte Moment meiner gesamten Laufbahn. 

In München hatten Sie ein paar namhafte Trainer wie Louis van Gaal, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Jupp Heynckes und zuletzt mit Niko Kovač einen relativen Newcomer. Wer war am prägensten?

Ich sehe Pep Guardiola ganz vorn. Ich bin ein großer Fan von ihm. Ich liebe Fußball und vor allem den offensiven Fußball – und Pep ist darin ein Meister. Er hat voll auf Attacke und die totale Ballkontrolle gesetzt. Bei jeder Trainingseinheit war der Ball dabei. Das hat mir natürlich besonders gefallen. Wir lagen auf einer Wellenlänge. Schade nur, dass wir mit ihm nie die Champions League gewinnen konnten. Aber Verletzungen, Sperren oder unglückliche Entscheidungen des Schiedsrichters sorgten dafür, dass jedes Mal im Halbfinale Endstation war. Als er nach München kam, war ich gerade 30 geworden. Ich hätte nie für möglich gehalten, mich in diesem Alter noch mal spielerisch weiterzuentwickeln. 

In welchen Bereichen denn? 

In der Antizipation etwa. Ich habe gelernt, das Spiel noch besser zu lesen. In der Entscheidungsfindung im gegnerischen Strafraum: Wann ist es besser zu schießen. Wann spiele ich doch lieber quer. Er hat dafür gesorgt, dass ich kompletter wurde. Für mich ist Pep der beste Trainer der Welt. Die drei Jahre mit ihm in München waren ungeheuer lehrreich. 

Jochen Sauer: „Wo sind hier die Kopfballpendel?“

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Van Gaal dürfte aber auch Eindruck hinterlassen haben.

Er hat mich 2009 zum FC Bayern geholt. Ich habe ihn als herausragenden Trainer erlebt, der sehr akribisch ist und viel Wert auf Disziplin legt. Er sorgt dafür, dass jeder seiner Spieler individuell besser wird. Mir hat er sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Ich hatte eine schöne Zeit mit ihm in München. Ob ich überhaupt nach München gekommen wäre, wenn er nicht dagewesen wäre, weiß ich nicht.

Das müssen Sie näher erklären.

Als er mich anrief, war ich noch bei Real Madrid und eigentlich glücklich dort. Der Grund, warum er mich von einem Wechsel nach München überzeugen konnte, war wohl, dass Real einen Superstar nach dem anderen verpflichtete. Damals war mein einziger Wunsch, die Champions League zu gewinnen und Bayern gehörte gerade nicht zu den absoluten Topklubs in Europa. Aber ich bin das Risiko eingegangen und es hat sich ja gelohnt.

Keine Reue?

Die Entscheidung fiel mir damals wirklich nicht leicht, aber zum FC Bayern zu gehen, war im Nachhinein die beste meiner Karriere.

Sie schlugen in München sofort ein.

Ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt und mein Einstand hat natürlich auch geholfen. Das war wie im Traum: Ich wurde zur zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg eingewechselt und schoss prompt zwei Tore nach zwei Vorlagen von … 

Franck Ribéry.

Das war ein Zeichen. Acht Monate später standen wir im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand, was damals als Überraschung betrachtet wurde. Seit diesem Endspiel wurden wir in Europa wieder ernstgenommen. Mit drei Endspielen in vier Jahren haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt. Die größte Kunst ist, auf dem höchsten Niveau konstant zu sein.

Aus dem Bauch: An welches Spiel denken Sie besonders gern zurück?

Es sind eigentlich zwei Partien: die Halbfinals gegen den FC Barcelona 2013, als wir zu Hause 4:0 gewannen und 3:0 im Camp Nou. Ich hatte das Gefühl, dass wir an diesen beiden Tagen unschlagbar waren. Nach dem anschließenden Finale gegen den BVB hatte ich die schönsten Ferien meines Lebens. Das Wichtigste war aber, dass wir trotz des Triple-Gewinns gierig geblieben sind.

Höhenflügen standen immer auch Tiefschläge gegenüber. Welcher tat am meisten weh?

Das Champions-League-Finale 2012 gegen Chelsea zu Hause. Wir waren Favorit, wir beherrschten das Spiel ganz klar und gingen acht Minuten vor Schluss in Führung, standen aber am Ende mit leeren Händen da. Ich denke aber auch an die Frustration, dreimal hintereinander im Halbfinale an einem spanischen Team gescheitert zu sein. Sowohl 2014 gegen Real als auch 2016 gegen Atlético hätten wir es verdient gehabt, ins Endspiel einzuziehen. Es ist traurig, dass wir unsere harte Arbeit mit Pep nicht krönen konnten.

Sie waren unglaublich oft verletzt. Haben Sie nie daran gedacht, einfach hinzuschmeißen?

Natürlich ist es jedes Mal wieder schwer, mit einer Verletzung fertigzuwerden, aber es war auch die Möglichkeit, meinen eigenen Körper besser kennenzulernen und immer besser mit dieser Situation umzugehen. So habe ich gelernt, an freien Tagen an meiner Fitness zu arbeiten, was ich vorher nie getan hatte. Ich bin am Ende extrem professionell geworden. Dabei hat die medizinische Abteilung um Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München eine wichtige Rolle gespielt. Wir haben über Jahre ein sehr vertrauensvolles Verhältnis gepflegt.

Was würden Sie gern in zehn Jahren über sich lesen? 

Dass ich beim FC Bayern eine wichtige Rolle in einer besonders erfolgreichen Zeit gespielt habe, die ihren Höhepunkt 2013 mit dem Triple hatte. Seitdem lieben mich die Bayern-Fans, nachdem ein Teil von ihnen mich noch 2012 ausgepfiffen hatte. Ich bin aber immer derselbe geblieben und habe mich immer voll mit dem Verein identifiziert. Ich glaube, dass das die Leute sehr berührt hat.

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