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Beratungen bei Merkel: Der Sport fürchtet neues Ungemach

Beratungen bei Merkel: Der Sport fürchtet neues Ungemach

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten beraten am Mittwoch über weitere Corona-Maßnahmen.


Der Sport fürchtet weitere Einschränkungen - vor allem Geisterspiele und einen Lockdown.

Dem deutschen Sport droht neues Ungemach. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer am Mittwoch über ihren weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie beraten, zittert der Fußball, zittern aber vor allem all die anderen Sportarten. Horrorszenario ist dabei ein Lockdown. Für zahlreiche Vereine und Verbänden könnte dies der Anfang vom Ende sein.

Auch König Fußball droht dann das Schlimmste. "Wenn die Bundesliga erneut unterbrochen werden würde, wenn also nicht mal mehr ohne Zuschauer gespielt werden dürfte, müssten nach und nach viele Vereine Insolvenz anmelden, und in der Folge würde dann sogar die Gefahr bestehen, dass die Bundesliga als Ganzes kollabiert", sagte Bayern München Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge auf SID-Anfrage.

"Ich hoffe, dass sich die Politik an die Fakten hält"

Nach Informationen von Bild will Merkel für einen begrenzten Lockdown werben. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte am Dienstag harte und vor allem rasche Einschränkungen. "Lieber schneller und konsequent als verzögert und verlängert", sagte er nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts. Nordrhein-Westfalen plant angeblich ein Verbot von Kontaktsportarten, meldete der RevierSport.

Auch für die Basketball Bundesliga (BBL) wäre es "ein Desaster, wenn es wieder einen Lockdown geben würde. Wenn man uns den Spielbetrieb einstellt, kann man den Laden zusperren", sagte Geschäftsführer Stefan Holz dem SID. Seine Kollege Frank Bohmann von der Handball Bundesliga (HBL) betonte: "Ich hoffe, dass sich die Politik an die Fakten hält und nicht auf Basis von Gefühlen und Symbolen entscheidet."

Doch schon die Aussicht auf weitere Geisterspiele nach der gerade zu Ende gehenden sechswöchigen Testphase macht dem Sport Angst. "Sollte es einen kompletten Zuschauer-Ausschluss geben, müssen wir eine Diskussion darüber führen, ob wir den Spielbetrieb weiterführen können", sagte Bohmann. Für den "gesamten Sport", ergänzte er, könne dies "gravierende Auswirkungen haben".



Deutliche Kritik aus dem Sport kommt nicht zuletzt am Umgang von Politik und Behörden mit den vorliegenden Hygienekonzepten von Ligen und Vereinen. "Man kann uns nicht mit dem Erstellen von Konzepten beauftragen, die dann greifen und einwandfrei funktionieren, um der Sache im nächsten Schritt - nur um ein politisches Zeichen zu setzen - den Riegel vorzuschieben", ereifert sich Bohmann.

"Wenn die Politik Zuschauer verbietet, entzieht sie dem Profisport die Basis zum Überleben."

"Diese Konzepte wurden doch genau für Phasen, wie wir sie jetzt erleben, erarbeitet", sagte Axel Hellmann, Mitglied des Vorstands von Eintracht Frankfurt. Rummenigge schlug in eher diplomatischen Worten in dieselbe Kerbe. "Der FC Bayern war der einzige Bundesligaverein, der während der sechswöchigen Testphase nicht ein einziges Mal vor Zuschauern gespielt hat. Wir bedauern das natürlich, denn wir sind überzeugt, dass unser Konzept höchsten Ansprüchen genügt."

Allerdings mussten die Vereine im Fußball, Handball oder Basketball schon in der jetzt zu Ende gehenden sechswöchigen Testphase erkennen, dass auf ihre Konzepte keine Rücksicht genommen wird: Mit bis zu 20 Prozent der Kapazität hätten die Stadien und Hallen ausgelastet werden dürfen - angesichts der Infektionszahlen blieb es bei der Ankündigung. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) wollte sich nicht einmal die in Aussicht gestellten 20 Prozent erlauben - ihr Saisonstart steht aus.

Auch DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke betont das Vorliegen geeigneter Hygienekonzepte - und warnt auf SID-Anfrage: "Wenn die Politik Zuschauer verbietet, entzieht sie dem Profisport die Basis zum Überleben." Die Basketball-Bundesliga könnte laut Holz mit 20 Prozent der Zuschauerkapazität" zunächst mal weiterarbeiten. Dies sei "im Prinzip auf Dauer wirtschaftlich zu wenig", aber: "Wir wären schon froh, wenn das momentan unter denselben Bedingungen fortgeschrieben würde".

Nicht zuletzt Frankfurts Vorstand Hellmann verweist darauf, dass Sportveranstaltungen bisher nicht im Verdacht stünden, eine Ausbreitung des Virus zu fördern. Er hält den Ausschluss von Zuschauern daher "nicht nur im Profifußball dauerhaft für den falschen und nicht mehr verhältnismäßigen Weg". Er sieht sich dabei auf einer Linie mit DOSB-Präsident Alfons Hörmann. "Die Rücklagen sind aufgebraucht, die Vereine und Verbände haben keine Luft mehr zum Atmen", sagte er dem SID und betonte: Es mache sich eine "nackte Existenzangst" breit.


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