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Alfred Gislason im Interview: "Das war frustrierend!"

Alfred Gislason im Interview: "Das war frustrierend!"

Alfred Gislason blickt mit Vorfreude, aber auch mit Sorge auf die anstehende Bundesliga-Saison. Mit dem Start am Donnerstag ist für den Bundestrainer ein Ende seiner "Leidenszeit" in Sicht.


Er plante mit sechs Monaten. Doch mittlerweile wartet Alfred Gislason seit fast anderthalb Jahren auf seine Rückkehr auf die Trainerbank. Das geht auch an einem so erfahrenen Mann wie dem Bundestrainer nicht spurlos vorbei. "Das war alles schon frustrierend", sagt der Isländer - spricht aber bewusst in der Vergangenheitsform. 

Denn ein Ende ist in Sicht. Am 5. November soll der langjährige Erfolgscoach des THW Kiel endlich sein Debüt für den Deutschen Handballbund (DHB) feiern, 272 Tage nachdem er als Nachfolger von Christian Prokop vorgestellt wurde. Mit dem Start der Bundesliga-Saison am Donnerstag (2. Oktober) beginnt für den neuen DHB-Trainer die heiße Phase. 

Die Bundesliga legt nach monatelanger Zwangspause am Donnerstag wieder los. Wie haben Sie die handballfreie Zeit erlebt?

Ich habe Lehrgänge und Spiele im Detail vorbereitet, die fielen dann aber alle weg. Wir sind in der WM-Qualifikation automatisch weitergekommen, und auch die Olympia-Qualifikation wurde verschoben. Das war alles schon frustrierend. Es blieb mir aber nichts anderes übrig als die Situation hinzunehmen.

Haben Sie während dieser Zeit auch Ablenkung gefunden?

Einmal war ich bei einem Verein zu Besuch, und es ging gerade das A-Jugend-Training los. Ich habe nebenbei erwähnt, wie sehr es mir fehlt, so ein Training zu leiten. Der Trainer sagte dann, hey, übernimm die einfach, kein Problem. Dann habe ich für eineinhalb Stunden oder mehr das Training geleitet. Ich hätte wahrscheinlich zwei, drei Stunden weitergemacht, wenn man mich nicht gestoppt hätte. Da habe ich wirklich gemerkt, wie sehr mir das fehlt.

Der THW geht als Corona-Titelverteidiger in die Saison. Wer kann Ihrem Ex-Klub gefährlich werden?

Ich freue mich extrem, dass es endlich mal losgeht. Der THW und Flensburg sind die großen Favoriten. Vier Mannschaften sind aber dicht dahinter und haben auch Meisterschaftschancen. Das sind die Rhein-Neckar Löwen, die einen sehr großen und breiten Kader haben. Das sind die Berliner, die auch sehr gut in ihren Kader investiert haben. Das ist Melsungen, das einen etwas besseren Kader und einen neuen Trainer hat. Und Magdeburg hat auch Chancen. Zwei, drei Verletzungen in jeder dieser Mannschaften können das Ganze ziemlich durcheinanderwirbeln.

Fürchten Sie angesichts des anstehenden Mammutprogramms eine Verletzungsflut?

Schon bevor die Saison losgeht, sind mit Jannik Kohlbacher und Johannes Golla zum Beispiel zwei der vier Kreisläufer aus der Nationalmannschaft verletzt. Ich muss hoffen, dass die anderen Kreisläufer gesund bleiben. Das sind mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler aber zwei Leute, die unwahrscheinlich viel Belastung beim THW tragen. Das anstehende Programm gibt allen Grund zur Sorge.

Haben Sie die Bundesliga-Trainer um eine Belastungssteuerung gebeten?

Ich weiß ziemlich genau, was ich als Vereinstrainer gesagt hätte, wenn mich ein Nationalcoach angerufen hätte, um mir zu sagen, was ich machen soll. Das maße ich mir nicht an. Ich freue mich, dass bei der WM die 20er-Kader zustandekommen werden. Auch die Regelung der Bundesliga, bei Punktgleichheit nicht das Torverhältnis zu Rate zu ziehen, ist ein guter Kompromiss.

Wie schätzen Sie die Stärke der Bundesliga im internationalen Vergleich ein?

Die Bundesliga ist nach wie vor die stärkste Liga der Welt. Die zuletzt ausbleibenden Teilnahmen am Finalturnier der Champions League haben damit nicht so viel zu tun. Wir haben viel, viel mehr Belastung als die anderen. Wenn es in die entscheidende Phase der Saison geht und deutsche Teams dann auf Mannschaften treffen, die vorher ein bis zwei Wochen Pause hatten, dann war das nie fair für die Bundesliga-Mannschaften. Jetzt ist die Liga noch größer, das war leider nicht zu verhindern. Das wird eine sehr brutale Saison. Eigentlich spielt man ab jetzt sogar zwei Spielzeiten durch.

Wie sehr kribbelt es vor Ihrem Debüt im November? Fürchten Sie, dass es erneut platzen könnte? 

Noch wache ich nicht mitten in der Nacht schweißgebadet auf und habe die Sorge, dass es wieder verschoben werden könnte. Ich will einfach nicht akzeptieren, dass das Spiel in Gefahr sein könnte.

Glauben Sie, dass die Mega-WM in Ägypten wie geplant ausgerichtet werden kann?

Ich bin ganz sicher, dass die WM in Ägypten stattfinden wird. Die werden dort unheimlich strikt vorgehen und ähnlich wie bei der NBA in den Play-offs alles extrem gut abgrenzen. Das wird durchgezogen. Ich freue mich sehr darauf.

Ist es noch zu früh, über ein konkretes Ziel zu sprechen? 

Wir sind alle ehrgeizige Sportler. Wenn man Deutschland vertritt, sind die Ziele nicht klein. Aber wir werden diese erst kurz vor der Abreise formulieren. Mein erstes Ziel ist es, im November Bosnien-Herzegowina zu Hause zu schlagen.

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